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Aktuelles

Wir freuen uns über unsere neue Webseite, hochgeladen Ende April 2019.

Vier Punkte, die gegen einen Neubau für BIOTOPIA sprechen.

1. Zu teuer:

Während der Planung war nicht bekannt, dass das Gebäude auf einer massiven Betonwanne sitzt. Durch die vergrößerte Grundfläche des geplanten Neubaus kann diese nicht übernommen werden. Dieser Umstand und die enorme Preissteigerung im Bausektor führen dazu, dass sich die Kosten von 70 Millionen € (2014) auf 200 Millionen € (Anfang 2020) mehr als verdoppelten. Ist diese Ausgabe in der Corona-Pandemie mit einem erwarten milliardenschweren Steuereinbruch politisch vertretbar?

2. Langwieriger Prozess, absurde Planung:

Die Idee zu einem Neubau als Ersatz des bestehenden Museums Mensch und Natur entstand, um ein ausladendes (Gips-)Skelett eines Dinosauriers unterzubringen. In den Bestandsbauten war dies nicht möglich. Als Prof. Michael Gorman 2015 Gründungsdirektor wurde, verwarf er dieses Museumskonzept. Gorman fordert eine „Live Science Gallery“ mit kleinräumigen Labors, über die das Institut für Genetik baulich verfügt. Die Planung des Architekten Volker Staab sieht vor, die großzügigen Museumsräume des Museums Mensch und Natur in kleinräumige Büros und Werkstätten umzuwandeln.

Der Neubau, der das bis zu fünfstöckige Institut für Genetik ersetzen soll, verfügt lediglich über drei Etagen.

Vier(!) breite Wendeltreppen („Treppenskulpturen“) sollen die Etagen verbinden. Neben einem erhöhten Unfallrisiko für tobende Kinder und mangelnden Möglichkeiten für deren Beaufsichtigung ergibt sich damit eine erhebliche Lärmbelastung und eine reduzierte Ausstellungsfläche.

40 Prozent der CO2-Emmissionen gehen in Deutschland auf die Baubranche zurück. 60 Prozent am Abfallaufkommen sind der Baubranche zuzuschreiben. Das Wort „Bauscham“ hat sich mittlerweile als stehender Begriff etabliert. Sollte nicht gerade die Bildungseinrichtung BIOTOPIA mit gutem Beispiel vorangehen und mit dem Erhalt des Instituts für Genetik angewandten Klimaschutzbetreiben?

3. Kontroverses Image:

Schloss Nymphenburg ist mit 632 Metern Fassadenbreite der größte Schlosskomplex Europas. Parkburgen, technische Denkmäler, das Wassersystem und nicht zuletzt der 220 ha große Schlosspark hätten den Status Weltkulturerbe der UNESCO verdient. Die überwiegende Mehrheit der Bürger will dieses geschichtsträchtige Kulturgut erhalten wissen. Dies zeigte sich 2018 während des Sammelns von über 2000 Unterschriften für eine Landtagspetition gegen den Neubau sehr deutlich. Der Widerstand begann, als sich das Neubauvorhaben im Winter 2016/17 nach Entfernung des Denkmalschutzes für den Nordflügel von Schloss Nymphenburg konkretisierte. In dessen Folge wendeten sich Münchner Forum, Stadtbild Deutschland, das Denkmalnetz Bayern und die Altstadtfreunde München dagegen. In einem einstimmigen Beschluss bezog der Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg gegen den geplanten Museumsbau Stellung: „Der BA 9 lehnt den vorliegenden Entwurf in seiner Außenwirkung ab und fordert, dass sich der Neubau in seiner Maßstäblichkeit und Materialität in die historische Umgebung einfügt. Proportionen, Gliederung und Farbigkeit sollen sich an den Bestandsbauten unseres kulturellen Erbes Schloss Nymphenburg orientieren.“ (Mai 2017) Ein modernistischer Neubau innerhalb des Schlosskomplexes stößt auf deutliche Ablehnung.

Die dürftige Berichterstattung der Presse zum Neubau BIOTOPIA verhinderte bisher, die breite Bevölkerung über den Abriss eines Teils des Schlosses und das geplante Bauvorhaben zu informieren. Das Institut für Genetik ist ein gekonnter Wiederaufbau der 1939 von den Nationalsozialisten zerstörten ursprünglichen Bebauung (Kapuzinerbau von Joseph Effner). Mit einem Aufschrei - auch im Ausland - ist zu rechnen, sobald die Bagger rollen und eine modernistische Betonfassade entsteht. Vergleiche mit verheerenden Eingriffen im Nymphenburger Nordflügel während der NS-Zeit (Bau des Deutschen Jagdmuseums) drängen sich auf. Für das Ansehen der gesamten Staatsregierung und des Kulturstaats Bayern hätte dies negative Folgen.

4. Komplizierter Standort:

Auch nach der Entfernung des Denkmalschutzes für den Nordflügel von Schloss Nymphenburg (12/2016) unterliegt der gesamte Schlosskomplex weiterhin dem Ensembleschutz.

Der Standort befindet sich in einem Grünzug, dem denkmalgeschützten Nymphenburger Park. Ein Museum mit angestrebtem internationalem Rang kann dort nicht expandieren.

Der geplante Zugang zu BIOTOPIA liegt an einer Engstelle. In unmittelbarer Nähe liegen drei Schulen. Mehrmals täglich frequentieren 1800 Schüler/innen die schmale Maria-Ward-Straße. Hinzu kommen Elterntaxis, Touristen, LKW als Zulieferer von zwei gastronomischen Großbetrieben (Café Palmenhaus und das Café im Botanischen Garten) sowie die landwirtschaftlichen Maschinen der Schloss- und Gartenverwaltung Nymphenburg und des Botanischen Gartens.

Die Maria-Ward-Straße führt in westlicher Richtung in die Münchner Außenbezirke und ist Teil eines Radschnellweges, der diese mit der Münchner Innenstadt und Schwabing verbindet. Dies wurde am 13. Juli 2018 einem Radfahrer zum tödlichen Verhängnis. Er starb von Westen kommend an der Engstelle vor dem geplanten Zugang zu BIOTOPIA.

Der Vorschlag des ergänzenden Verkehrsgutachtens, die Engstelle am geplanten Zugang zu BIOTOPIA mit Einrichtung einer „Fußgängerzone“ (zusätzliche Poller und grobe Bepflasterung) zu entschärfen, kann nicht funktionieren. Der Streckenabschnitt ist nur 50 Meter lang und verleitet Radfahrer zum „durchrauschen“. Das Verkehrsgutachten ist in weiten Bereichen mangelhaft.

Schloss und Park verzeichnen seit Jahren neue Besucherrekorde. BIOTOPIA soll zwei bis dreimal so viele Besucher anziehen als das heutige Museum Mensch und Natur. Das unmittelbar benachbarte Gartendenkmal Schlosspark Nymphenburg mutiert dabei zum „Natur-Kultur-Quartier“. Dabei leiden dessen Flora und Fauna längst an massiver Übernutzung, was vom Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Nymphenburg bei einer Diskussionsveranstaltung am 15. September 2019 offen erklärt wurde.

Die Anbindung des geplanten Museums BIOTOPIA an den öffentlichen Verkehr ist mangelhaft. U- und S-Bahn-stationen sind kilometerweit entfernt. Parkplätze sind häufig jetzt schon nicht zu finden. Der Parksuchverkehr erstreckt sich längst tief in die anliegenden Wohnviertel.

Fazit:

Die Einbeziehung des grundsolide erbauten Instituts für Genetik in ein erweitertes Naturkundemuseum wäre eine einfache, kostengünstige und populäre politische Entscheidung. Veranstaltet von Museum Mensch und Natur zeigte sich das Potenzial des Bestandsbaus Ende 2020 mit einem „Adventkalender“ in 24 Fenstern. Neben dem Münchner Forum, dem Verband Deutscher Kunsthistoriker, Stadtbild Deutschland, dem Denkmalnetz Bayern, den Altstadtfreunden München und der Bürgerinitiative Gemeinsam für Schloss Nymphenburg sind mittlerweile auch direkte Anwohner gegen dessen Abriss aktiv. Standortalternativen für ein umfassendes Naturkundemuseum als „Leuchtturmprojekt internationalen Rangs“ könnten

das freigewordene Landesamt für Maß und Gewicht sein. Es befindet gegenüber dem Botanischen Garten an einem parkähnlichen Grünzug mit besserer Verkehrsanbindung.

oder

die Paketposthalle an der S-Bahn-Stammstrecke.

Sollte der Standort im Schloss Nymphenburg unbedingt beibehalten werden, wäre ein Umzug der Grundschule Maria Ward ins ehemalige Institut für Genetik eine dritte Variante. BIOTOPIA bekäme damit einen gefahrlosen und höchst repräsentativen Zugang über den Ostflügel des Schlosskomplexes (heute Eingang zur Grundschule Maria Ward).